Am Fenster

Surfinienblau überwiegtGB 301 - Kopie
in diesem Jahr
am Fensterbrett
Spärlich lugen
zwei verlorne
Pelargonienblüten rosa
durch das dichte Grün
Spiegelt sich der junge
Lärchenbaum ganz stolz
im Glas

Surfinienblau überwiegt
in diesem Jahr
in meinen Träumen
Spärlich wagt sich manchmal
eine rosa Stimmung
in das Spiel
und alle Welt
spiegelt sich
aufdringlich
in meinem Fenster

 

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied
aus: Ilse Storfer, Ausgeträumt – Gedanken einer verleugneten Seele, Verlag Ploder, Friesach, 2009

MG Himberg-BürgermeisterInfo

2020-03-MGH BM-Info

NÖN über KULTUR-IMPULSE

2020-03-NÖN

Der Sommer kommt…

Die Frühjahrssaison ist für alle Kulturschaffenden gelaufen. Irgendwie haben wir es überstanden, auch ohne die geplanten Veranstaltungen, halt mit persönlichen Einschränkungen. Die Sehnsucht nach Bühnenpräsenz ist groß, aber die Zukunft ungewiss. Nach einigen Lockerungen der Verhaltensregeln gibt es natürlich Neuinfektionen und die Angst bleibt, genauso wie der Widerstand der Egoisten. Ich kann beide Standpunkte wirklich gut verstehen, ich muss diese nicht unbedingt akzeptieren oder für richtig bzw. falsch halten – das ist ohnehin nicht meins: richtig-falsch-Einschätzungen haben noch nie aus Krisen geholfen und sind auch in dieser Situation nicht angebracht. Wenn man in der Öffentlichkeit und mit Menschen arbeitet, muss einem klar sein, dass die Meinungen immer divergieren. Man wird nie alles auf einen Nenner bringen können. Die Kunst ist es doch, einen Weg zu finden, der vielen gerecht wird, aber der auch dich selber aus dem Out herausbringt. Nicht einfach, vor allem jetzt vor der Sommerpause mit ungewisser Einschätzung für den Herbst…

Die letzten Monate konnte ich mit meiner Ausstellung im Haus gut überbrücken, die angemeldeten Besucher brachten anregende Gespräche und auch reges Interesse an meinen künstlerischen Werken. Im chorischen Bereich haben die Gartensingen einigen Mutigen viel Freude gebracht, auch manche Probe mit Abstand in größeren Räumen hat gut funktioniert und war sehr effektiv. Für den Sommer, den die meisten nun doch zu Hause verbringen werden, sind gemütliche Treffen im Garten angedacht, sodass zumindest das gesellige Repertoire nicht ganz in Vergessenheit geraten wird. Wie es dann weitergeht, steht wohl noch in den Sternen. Sollen wir Adventkonzerte ins Auge fassen? Werden wir dafür mit ausgewogener Stimmenanzahl proben können? Wird die große Hochzeit einer Chorsängerin im Herbst stattfinden können? Und in welcher Form kann das Jubiläum eines meiner anderen Chöre über die Bühne gehen? Fragen über Fragen, die mir meine Sommerruhe wohl etwas stören werden.

Doch wie immer in meinem jetzt doch schon ziemlich langen Leben, bietet jede Schwierigkeit auch viele Chancen. Ich habe in diesen Monaten einiges gelernt und werde mich für die nächsten Jahre wohl etwas anders ausrichten, werde mich wieder etwas mehr auf meine philosophisch/soziologischen Interessen konzentrieren und darüber kann ich mich riesig freuen. Das heißt aber nicht, dass ich mit dem Malen und Singen aufhöre, nein – nur kann eine Schwerpunktverlagerung viel Lebensfreude frei setzen, die dann nicht nur für mich, sondern auch  meinen Freunden, Weggefährten und Vereinsmitgliedern einen Aufschwung und eine positive Zukunft beschert.

Und was meine Sehnsucht nach Bühnenpräsenz betrifft – ist nicht die ganze Welt einfach nur eine Bühne für dein Leben?

© 2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied

Können… wollen… dürfen wir singen?

Unsere liebste Freizeitbeschäftigung ist nun beinahe ins Aus katapultiert worden. Singen im Chor ist in diesen Zeiten lebensgefährlich! Und diese Meldung kommt in den Köpfen vieler Chormitglieder an und verbreitet sich schneller als der Virus. Ja, singen fördert die Freisetzung positiver Gefühle und das scheint in Zeiten wie diesen wirklich gefährlich zu sein! Wie kann man eine Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzen, die Menschen in ihren Häusern halten, ausgesetzt den vorgegebenen Meldungen, gleichgeschaltet im Konsumverhalten und dadurch einfach manipulierbar, wenn sie dann hinausgehen und miteinander singend Freude kreieren?

Nun gibt es neue Forschungen und Erkenntnisse, die Chorverbände geben nicht auf und veranlassen Studien. Die Anleitungen sind seitenweise und kompliziert, die einfache Umsetzung scheitert oft an den bereits in den Köpfen einpflanzten Angstgedanken der Einzelnen. Chorprobe im Freien mit großen Abständen, Einbahnregelungen beim Kommen und Verlassen der Bereiche, einfache Logik und gesunder Menschenverstand kommen bei angstinfizierten Leuten nicht an – wenige kommen, aber der Aufschwung der Stimmung bei den Mutigen ist  enorm. Vielleicht gibt es ein paar, die einfach nur abwarten? Die positive Stimmung wird spürbar sein – aber wer kann spüren, wenn er in Angst versunken ist? Im monatelangen Beobachten der Fallzahlen und ausharren wird manches Wesen erstarren. Ob wir ein Aufwachen zum schönen Miteinander dann noch schaffen werden ist fraglich!

© 2020 Prof. llse Storfer-Schmied

Kommen wir da wieder heraus?

Zehn Wochen im Ausnahmezustand sind vorbei und die Verunsicherung ist allgegenwärtig. Einzig der partei-politische Hickhack ist wieder da, penetranter und verletzender als vorher. Das Normalvolk ist in Apathie versunken, misstrauisch wird jede kleine Lockerung der Maßnahmen beäugt. Nur die Ignoranten, die immer schon gegen alles waren, tun so, als wäre nie etwas gewesen und sie hätten es ja immer schon gewusst. Doch die Rücksichtsvollen, Vorsichtigen und Hilfsbereiten warten ab. Aber wie lange noch funktioniert dieses Warten? Irgendwann sollte man sich das Morgen wieder neu erdenken und loslegen. Warten ist Stillstand und Stillstand ist Zerfall. Wer wird diesen aufhalten? Die Demonstrierer und ewigen Nörgler verändern keinen Zustand, sie festigen nur die Missstände, machen diese zum Programm. Wo bleiben die Aufbauer, die Kreativen, die sich ein schönes Leben ausdenken können? Wer motiviert dieses Neudenken? Nur du selber kannst aufwachen, kannst konstruktive Ideen kreieren und verbreiten. Du selber hast die Kraft in dir allein. Wenn du es schaffst, ohne äußeren Anstoß Positives anzudenken, mag sein, dieses verbreitet sich wie der sprichwörtliche Tropfen im Ozean. Doch gerade dieser fehlende Anstoß könnte unseren Untergang bedeuten. Wenn alle Künstler gestoppt sind und sich einzig um Lebensunterhalt bemühen müssen, wer wird die Kraft haben, dieses Schöne ins Nichts zu postulieren! Vielleicht gibt es da noch einen, der gut ist im Darben und noch nicht infiziert vom Virus des Materiellen trotz Untergangsstimmung sich Gutes und Schönes erdenkt und uns somit herauszieht aus dem unendlichen Nichts dieses irdischen Daseins?

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied

Im Rosenlicht

Im RosenlichtGB 270 - Kopie
erglänzt mein
stiller Traum
vom süßen Sein
im Frühlingshain
mit dir

Der zarte Duft
umnebelt jedes
ernste Wort
Weist jeder Sorge
gleich die Tür!

Ein Knospenstrauch
jungfräulich weiß
lavedelblau verbrämt
nimmt meiner Träne
bittersüße Ahnung

In zärtlicher Libkosung
streicht sanft der Wind
durchs helle Grün
Zerzaust mein Denken
und mein Haar
weht streichelnd
über mein Gesicht
im Rosenlicht

 

 

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied
aus: Ilse Storfer, …denn die Liebe bleibt!, Verlag Ploder, Friesach, 2005

Es ist genug!

Corona hin oder her. Was darf man, was darf man nicht. Es ist gefährlich oder es ist harmlos. Tödlich oder eine Erfindung. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen für die eine und für die andere Seite. Und beide Seiten haben ihre Anhänger, verteidigen und promoten ihre Richtung, verteufeln die andere. Täglich werden interessierte Menschen in den sozialen Medien überschüttet mit diesen widersprüchlichen Erkenntnissen und schlagen sich einmal auf die eine, dann wieder auf die andere Seite, bis sie in totale Apathie versinken und diese Gleichgültigkeit ist ein Vorbote der Agonie unserer vertrauten Gesellschaft.

Und alle leiden. Die einen mehr, die anderen weniger. Manche Tätigkeiten werden jetzt hochstilisiert, diejenigen in den systemrelevanten Berufen, als Retter unseres Lebens, man fordert einen finanziellen Bonus – andererseits: diese haben doch wenigstens eine Arbeit mit regelmäßigem Einkommen! Andere müssen warten. Auf was? Auf Normalität? Ist es absehbar, wann diese eintritt? Wollen wir überhaupt, dass diese „Normalität“ wieder kommt?

Die sogenannte „Volkskultur“ ist jetzt total am Boden, abgewertet war sie ja in diesem „Kulturland“ Österreich schon lange. Man hat schon längst verdrängt, dass unser kultureller Ruf, alle Höchstleistungen auf diesem Gebiet einer reichen volkskulturellen Tätigkeit im Lande erwachsen. Ohne diesen lebendigen und gesunden Boden bröckelt die Kulturspitze und fällt ins Nichts zusammen. Und plötzlich ist da nichts mehr: in den Schulen wird kaum noch gesungen und musiziert, die Chöre am Land verschwinden – nur ein paar „große“, kulturell „hochstehende“ werden ihre Unterstützungen bekommen. Die Abwertung des Volksgutes ist schon seit Jahren im Gange. Unsere Volkslieder sind verpönt und langweilig, es müssen schon Lieder aus Afrika und Amerika sein, um Begeisterung und Anerkennung zu erregen. In Schulen wird schon seit Jahrzehnten nur mehr „Neues“ gesungen – mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Kinder das lieber haben – aber mit dem Effekt, dass das Singen zu Hause verschwindet. Früher gab es einen gemeinsamen Liederschatz von Jung und Alt, dieser wurde gepflegt und hat Generationen verbunden. Nun, dieses generationenübergreifende Liedgut ist schon seit vielen Jahren systematisch ausgerottet worden – und jetzt kommt die nächste Stufe: das totale Aus für die Volkskultur! Sie ist ja nicht wichtig für die Gesellschaft. Nein. Es ist gefährlich, mit Gleichgesinnten im Chor zusammenzukommen! Man darf in Gasthäusern zusammensitzen und miteinander eines oder mehrere Gläser erheben, sich lautstark mit mehr oder weniger feuchter Aussprache unterhalten, aber man darf nicht miteinander singen! Chorsänger sind Virenschleuder. Menschen am Stammtisch nicht?

OK! Wir warten ab. Wir Chorleiterinnen und Chorleiter sitzen daheim, erhalten uns monatelang ohne systemrelevante Arbeit von unseren Ersparnissen und dürfen hoffen, dass irgendwann, wenn die „Lockerungen“ bekanntgegeben werden, noch ein Chor vorhanden ist, den wir leiten dürfen. Oder es ist dem Establishment bis dahin endlich gelungen, jede nicht für das System unabdingbar notwendige Person „selbstbestimmt“ in seinen vier Wänden zu halten, wo er hervorragend mit vorgegebenen Meinungen gleichgeschaltet werden kann!

Eine düstere Aussicht für unser Kulturland Österreich, dass es so dann wohl nicht mehr geben wird!

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied

ZEIT-WORT XLVIII

Zeitwort 48-SN

Vielleicht dann!

Wenn ich alle meine Spiralnebel gemalt habe
Alle Träume hineinverwoben bis zum letzten Stern
hinterrücks einen neuen Planeten kreiert
und ihn lichtgrün verpackt
auf die Reise geschickt habe
werde ich mich zurückziehen
ins Nicht der Ewigkeit

GB 316A

Vorbei ist dann alles Bewundern
und alles Bedauern
jeglicher Zorn ist verdampft
und regnet in feinsten Silbertröpfchen
hinein in das Leben der Ernsten

Vielleicht sieht einer am Morgen
das Glänzen an den Halmen
erahnt die ewige Stimmung
der Unendlichkeit

 

 

 

 

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied
aus: Ilse Storfer, Ausgeträumt – Gedanken einer verleugneten Seele,
Verlag Ploder, Friesach, 2009