Archiv für 16. Mai 2020

Es ist genug!

Corona hin oder her. Was darf man, was darf man nicht. Es ist gefährlich oder es ist harmlos. Tödlich oder eine Erfindung. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen für die eine und für die andere Seite. Und beide Seiten haben ihre Anhänger, verteidigen und promoten ihre Richtung, verteufeln die andere. Täglich werden interessierte Menschen in den sozialen Medien überschüttet mit diesen widersprüchlichen Erkenntnissen und schlagen sich einmal auf die eine, dann wieder auf die andere Seite, bis sie in totale Apathie versinken und diese Gleichgültigkeit ist ein Vorbote der Agonie unserer vertrauten Gesellschaft.

Und alle leiden. Die einen mehr, die anderen weniger. Manche Tätigkeiten werden jetzt hochstilisiert, diejenigen in den systemrelevanten Berufen, als Retter unseres Lebens, man fordert einen finanziellen Bonus – andererseits: diese haben doch wenigstens eine Arbeit mit regelmäßigem Einkommen! Andere müssen warten. Auf was? Auf Normalität? Ist es absehbar, wann diese eintritt? Wollen wir überhaupt, dass diese „Normalität“ wieder kommt?

Die sogenannte „Volkskultur“ ist jetzt total am Boden, abgewertet war sie ja in diesem „Kulturland“ Österreich schon lange. Man hat schon längst verdrängt, dass unser kultureller Ruf, alle Höchstleistungen auf diesem Gebiet einer reichen volkskulturellen Tätigkeit im Lande erwachsen. Ohne diesen lebendigen und gesunden Boden bröckelt die Kulturspitze und fällt ins Nichts zusammen. Und plötzlich ist da nichts mehr: in den Schulen wird kaum noch gesungen und musiziert, die Chöre am Land verschwinden – nur ein paar „große“, kulturell „hochstehende“ werden ihre Unterstützungen bekommen. Die Abwertung des Volksgutes ist schon seit Jahren im Gange. Unsere Volkslieder sind verpönt und langweilig, es müssen schon Lieder aus Afrika und Amerika sein, um Begeisterung und Anerkennung zu erregen. In Schulen wird schon seit Jahrzehnten nur mehr „Neues“ gesungen – mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Kinder das lieber haben – aber mit dem Effekt, dass das Singen zu Hause verschwindet. Früher gab es einen gemeinsamen Liederschatz von Jung und Alt, dieser wurde gepflegt und hat Generationen verbunden. Nun, dieses generationenübergreifende Liedgut ist schon seit vielen Jahren systematisch ausgerottet worden – und jetzt kommt die nächste Stufe: das totale Aus für die Volkskultur! Sie ist ja nicht wichtig für die Gesellschaft. Nein. Es ist gefährlich, mit Gleichgesinnten im Chor zusammenzukommen! Man darf in Gasthäusern zusammensitzen und miteinander eines oder mehrere Gläser erheben, sich lautstark mit mehr oder weniger feuchter Aussprache unterhalten, aber man darf nicht miteinander singen! Chorsänger sind Virenschleuder. Menschen am Stammtisch nicht?

OK! Wir warten ab. Wir Chorleiterinnen und Chorleiter sitzen daheim, erhalten uns monatelang ohne systemrelevante Arbeit von unseren Ersparnissen und dürfen hoffen, dass irgendwann, wenn die „Lockerungen“ bekanntgegeben werden, noch ein Chor vorhanden ist, den wir leiten dürfen. Oder es ist dem Establishment bis dahin endlich gelungen, jede nicht für das System unabdingbar notwendige Person „selbstbestimmt“ in seinen vier Wänden zu halten, wo er hervorragend mit vorgegebenen Meinungen gleichgeschaltet werden kann!

Eine düstere Aussicht für unser Kulturland Österreich, dass es so dann wohl nicht mehr geben wird!

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied

ZEIT-WORT XLVIII

Zeitwort 48-SN

Vielleicht dann!

Wenn ich alle meine Spiralnebel gemalt habe
Alle Träume hineinverwoben bis zum letzten Stern
hinterrücks einen neuen Planeten kreiert
und ihn lichtgrün verpackt
auf die Reise geschickt habe
werde ich mich zurückziehen
ins Nicht der Ewigkeit

GB 316A

Vorbei ist dann alles Bewundern
und alles Bedauern
jeglicher Zorn ist verdampft
und regnet in feinsten Silbertröpfchen
hinein in das Leben der Ernsten

Vielleicht sieht einer am Morgen
das Glänzen an den Halmen
erahnt die ewige Stimmung
der Unendlichkeit

 

 

 

 

©2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied
aus: Ilse Storfer, Ausgeträumt – Gedanken einer verleugneten Seele,
Verlag Ploder, Friesach, 2009

Neues Video auf YouTube!

Ein weiteres Video vom Zwaklång – ein ganz neues Lied passend in diese schwierigen Zeiten!