Der Sommer kommt…

Die Frühjahrssaison ist für alle Kulturschaffenden gelaufen. Irgendwie haben wir es überstanden, auch ohne die geplanten Veranstaltungen, halt mit persönlichen Einschränkungen. Die Sehnsucht nach Bühnenpräsenz ist groß, aber die Zukunft ungewiss. Nach einigen Lockerungen der Verhaltensregeln gibt es natürlich Neuinfektionen und die Angst bleibt, genauso wie der Widerstand der Egoisten. Ich kann beide Standpunkte wirklich gut verstehen, ich muss diese nicht unbedingt akzeptieren oder für richtig bzw. falsch halten – das ist ohnehin nicht meins: richtig-falsch-Einschätzungen haben noch nie aus Krisen geholfen und sind auch in dieser Situation nicht angebracht. Wenn man in der Öffentlichkeit und mit Menschen arbeitet, muss einem klar sein, dass die Meinungen immer divergieren. Man wird nie alles auf einen Nenner bringen können. Die Kunst ist es doch, einen Weg zu finden, der vielen gerecht wird, aber der auch dich selber aus dem Out herausbringt. Nicht einfach, vor allem jetzt vor der Sommerpause mit ungewisser Einschätzung für den Herbst…

Die letzten Monate konnte ich mit meiner Ausstellung im Haus gut überbrücken, die angemeldeten Besucher brachten anregende Gespräche und auch reges Interesse an meinen künstlerischen Werken. Im chorischen Bereich haben die Gartensingen einigen Mutigen viel Freude gebracht, auch manche Probe mit Abstand in größeren Räumen hat gut funktioniert und war sehr effektiv. Für den Sommer, den die meisten nun doch zu Hause verbringen werden, sind gemütliche Treffen im Garten angedacht, sodass zumindest das gesellige Repertoire nicht ganz in Vergessenheit geraten wird. Wie es dann weitergeht, steht wohl noch in den Sternen. Sollen wir Adventkonzerte ins Auge fassen? Werden wir dafür mit ausgewogener Stimmenanzahl proben können? Wird die große Hochzeit einer Chorsängerin im Herbst stattfinden können? Und in welcher Form kann das Jubiläum eines meiner anderen Chöre über die Bühne gehen? Fragen über Fragen, die mir meine Sommerruhe wohl etwas stören werden.

Doch wie immer in meinem jetzt doch schon ziemlich langen Leben, bietet jede Schwierigkeit auch viele Chancen. Ich habe in diesen Monaten einiges gelernt und werde mich für die nächsten Jahre wohl etwas anders ausrichten, werde mich wieder etwas mehr auf meine philosophisch/soziologischen Interessen konzentrieren und darüber kann ich mich riesig freuen. Das heißt aber nicht, dass ich mit dem Malen und Singen aufhöre, nein – nur kann eine Schwerpunktverlagerung viel Lebensfreude frei setzen, die dann nicht nur für mich, sondern auch  meinen Freunden, Weggefährten und Vereinsmitgliedern einen Aufschwung und eine positive Zukunft beschert.

Und was meine Sehnsucht nach Bühnenpräsenz betrifft – ist nicht die ganze Welt einfach nur eine Bühne für dein Leben?

© 2020 Prof. Ilse Storfer-Schmied

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