Es wird mir zu viel…

Ich muss zugeben: nun wird es mir allmählich zu viel! Am 24. Oktober habe ich das letzte Mal mit einem Chor gesungen, jetzt ist der zweite Adventsonntag vorübergegangen und ich singe immer noch alleine! Ich, als Chorleiterin von vier Chören! Kann sich jemand diese Entzugserscheinungen vorstellen? Abgesehen vom gemeinsamen Singen, dem wunderbaren Erlebnis, Klangvolles Wirklichkeit werden zu lassen, Gemeinschaft zu spüren und emotionale Hochstimmung erzeugen zu dürfen, fehlt mir einfach die Nähe zu anderen Menschen, die netten Gespräche, das Aufeinander-Zugehen! Jeder von uns sitzt nun mehr oder weniger allein daheim und begnügt sich mit virtueller Kommunikation. Wie lange kann man das als leidenschaftliche Chorsängerin durchhalten? Und dann: Ein Advent ohne Adventkonzert – das hat es bei mir seit dreißig Jahren nicht mehr gegeben! Es ist wirklich trostlos und äußerst unangenehm! Und in den Medien hört man immer wieder nur von weiteren Vorsichtsmaßnahmen, von den Gefahren, die vom Singen ausgehen, von den Problemen der Wirtschaft und von den systemrelevanten Berufen, die Bonuszahlungen bekommen sollen. Wer spricht von uns? Kulturschaffende, die das freiberufliche Engagement mit dem Risiko, ohne Einnahmen dazustehen, seit Jahren pflegen und damit für soziale Gesundheit in der Gesellschaft sorgen, sind diese nicht systemrelevant?

Okay! Genug gejammert und geklagt! Nun bin ich doch einiges an Frustration losgeworden. Jetzt setze ich mich an mein Klavier und komponiere ein neues tröstliches Lied für meine Choristen und natürlich auch für mich selber!

© Dezember 2020, Prof. Ilse Storfer-Schmied

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