Zwischenbericht

Es ist nun schon die sechste Woche unserer geänderten gesellschaftlichen Situation und man kann spüren, dass beinahe jeder allmählich etwas genervter wird, auch ich selber. An und für sich hätte ich genug zu tun, so viele alte liegengebliebene Projekte könnten nun aufgearbeitet werden und eigentlich sollte genug Zeit fürs Schreiben, Malen und komponieren übrig bleiben… Doch die rechte Inspiration will sich nicht einstellen und von innerer Ruhe kann man auch nicht wirklich sprechen. Der gewohnte Wochenrhythmus ist zerstört, die Abwechslung zwischen Alleinsein, Vereinsarbeit und Familie hat eigentlich immer recht gut getan. Nun gibt es kaum Alleinsein, keine Chorproben mit Freunden und rund um die Uhr Familie – das ist dann doch anstrengend. Es wird jetzt natürlich viel gekocht und daraus ergeben sich auch einige halbe Stunden an Küchenarbeit – obwohl ich mich nicht beschweren sollte – ich bin ja nicht allein damit und einkaufen muss ich auch nicht, da ich ja schon zur Risikogruppe gehöre. Trotzdem,  in normalen Zeiten habe ich Tage, an denen ich mich gar nicht um die Hausarbeit kümmern muss, da ich ja alleine daheim bin und da bleibt der Kopf doch freier für meine kreativen Aktionen – keiner schaut um die Ecke und stört mit Kommentaren. Ich kann übermalen, experimentieren, verwerfen… kann das unfertige Bild auf der Staffelei stehen lassen, viertelstündlich anschauen und überlegen, ob ich wirklich damit zufrieden bin…  irgendwann hab ich dann doch mein fertiges Bild.

Ich muss mit dieser neuen Situation umgehen lernen, denn ich fürchte, wir werden noch ein paar Wochen miteinander verbringen dürfen. Und später dann werden wir zurückblicken auf diese Corona-Monate und ich möchte dann nicht sagen müssen, ich hätte die chorlosen Wochen nicht genützt.

©2020 Prof. Ilse-Storfer-Schmied

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